Wie man Freunde gewinnt von Dale Carnegie

“The More you Get out of This Book, The More You will Get out of Life.”

Mit diesem Zitat beginnt das Buch. Sehr überheblich – wie ich finde. Ich war skeptisch. Aber mit jedem Satz und jeder Seite verflogen meine Zweifel. Kleine und große Aha-Momente reihten sich aneinander. Schnell war mir bewusst: aus diesem Buch kann ich persönlich sehr viel mitnehmen! Dieses Gefühl sollst auch du haben.

Kurze Zusammenfassung

Erfolg und Glück im Berufs- bzw. Privatleben erfolgt über die zwischenmenschliche Kommunikation. Dale Carnegie hat das sehr früh erkannt und die Prinzipien einer effektiven Kommunikation formuliert. Dieses Buch ist jedoch kein theoretisches Werk, welches nach dem Lesen im Bücherregel verstauben sollte.

Es ist viel mehr ein praxisorientiertes Nachschlagewerk. Carnegie gibt viele Beispiele aus dem Alltag und zeigt verborgene Analogien auf. Jede gewonnene Erkenntnis wird anschließend direkt mit einer einfachen und konkreten Handlungsempfehlung verknüpft.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Fähigkeit, wie du andere Menschen überzeugst. Ganz ohne Manipulation. Nachhaltig mit ehrlichem Interesse. Hierbei zeigt Carnegie, wie und warum du auf die Bedürfnisse deines Gesprächspartners eingehen und häufiger dessen Blickpunkt einnehmen solltest.

Wie_man_Freunde_gewinnt_Dale_Carnegie

Meine wichtigsten Learnings:

Sei kritisch beim Ausüben von Kritik

Sowohl im Berufs- als auch im Privatleben begegnen wir Kritik. Entweder üben wir Kritik aus oder wir werden für eine unserer Handlungen kritisiert. Ganz gleich auf welcher Seite wir stehen: Kritik muss immer konstruktiv formuliert werden, sodass sie nicht als Verurteilung sondern als Hilfe verstanden wird.

Menschen sind keine logisch denkenden Kreaturen, sondern haben Emotionen / Gefühle. Schlecht ausgeübte Kritik gleicht einem persönlichen Angriff und verletzt den Stolz eines Menschen. Sie führt niemals zur Einsicht von falschem Verhalten, sondern viel mehr zu Rechtfertigung und Ablehnung.

Positive Kritik hingegen ist ein Angebot zur Hilfe. Sie wahrt das Gesicht des Kritisierten und stellt ihn nicht vor vollendete Tatsachen. Die Formulierung der positiven Kritik sollte stets aus der Ich-Perspektive erfolgen. Sie ist direkt, objektiv und faktenbezogen. Der Fokus liegt auf der Lösungsfindung und nicht auf dem Problem.

Das „Feeling of Importance

Dieses Stichwort fällt sehr häufig im Buch, welches seine Wichtigkeit unterstreicht. Ich übersetze es frei mit dem Gefühl der Wichtigkeit. Jeder Mensch hat etwas in seinem Leben, über das er sich identifiziert. Das kann die Zugehörigkeit in einem Verein, der berufliche Status, der gestählte Körper, eine besondere Fähigkeit oder ein künstlerisches Talent sein. Außerdem können materielle Gegenstände wie das neueste Handy, das schnelle Auto oder die teuersten Klamotten ein Gefühl der Wichtigkeit erzeugen.

„Sag mir wie du dein Gefühl der Wichtigkeit bekommst und ich sage dir, wer du bist“

Während einer Unterhaltung ist es deine Aufgabe herauszufinden, was deinem Gegenüber wichtig und worauf er stolz ist. Diese eine Sache – so klein sie für dich auch erscheinen mag – ist das Tor zum Herzen deines Gesprächspartners. Zeige bei dieser Sache aufrichtige Wertschätzung durch Anerkennung und Komplimente. Dabei geht es nicht um manipulative Schmeichelei, sondern um uneigennützige Bewunderung.

Der notwendige Perspektivwechsel

Stell dir vor, du gehst angeln. Du besorgst dir eine Angelrute und überlegst, was du als Köder an den Haken hängst. Deine persönliche Lieblingsspeise ist Lasagne. Bei ihr würdest du sofort anbeißen. Allerdings würdest du niemals Lasagne an den Haken hängen. Du fragst dich stattdessen, bei was der Fisch anbeißen würde. Das ist schließlich gesunder Menschenverstand. Also hängst du einen Wurm an den Haken.

Warum benutzen wir diese Logik nicht auch beim Umgang mit Menschen? Für ein besseres Verständnis solltest du häufiger deine Perspektive verlassen und den Standpunkt deines Gegenübers einnehmen.

Noch entscheidender ist dieser Standpunktwechsel bei Kindern. Kinder verstehen die Logik der Erwachsenenwelt nicht. Sie wissen noch nicht, was gesellschaftlich richtig oder falsch ist. Sie verstehen Zusammenhänge noch nicht komplett. Und doch erwarten wir, dass Kinder sich wie Erwachsene verhalten. Das kann so nicht funktionieren. Deswegen versuch es mal mit folgender Idee …

Herausforderungen und Gamification

Um Kinder für ein bestimmtes Verhalten zu begeistern, solltest du dich fragen, was sie sich wünschen. An diese Wünsche solltest du anknüpfen und sie mit deinem gewünschten Verhalten verbinden. Möchte dein Kind beispielsweise nicht aufräumen, dann mach ein Spiel daraus. Wer kann die meisten Puzzle-Teile einräumen? Wer kann am schnellsten die Spielsachen zurück ins Kinderzimmer bringen? Kinder wollen spielen und du möchtest ein aufgeräumtes Zimmer. Zwei unterschiedliche Wünsche, ein gemeinsames Ziel.

Nicht nur Kinder lassen sich durch ein Spiel oder eine Herausforderung motivieren. Es funktioniert auch wunderbar bei uns Erwachsenen. Auch wir haben ein Verlangen nach Selbstverwirklichung, suchen die Chance uns zu beweisen oder wollen einfach nur gewinnen. Daher wird gerade im Sport Gamification sehr häufig genutzt, um die letzten Kraftreserven zu mobilisieren. Aber auch im Berufsleben verhelfen Herausforderungen zu Höchstleistungen. So kann ein kleiner arbeitsrelevanter Wettkampf, der zwischen mehreren Abteilungen oder Schichten entfacht wird, die Produktivität enorm steigern.

Der Umgang mit Fehlern

Ein Kapitel beschäftigt sich mit den Eigenschaften eines guten Anführers. Aus diesem ausführlichen Kapitel hat mich der Umgang mit Fehlern gefesselt. Wie wir oben im Abschnitt Kritik schon gelernt haben, macht der Ton die Musik. Wenn du Fehler findest und ansprechen musst, verpacke sie gut. Oft hilft es, erst einmal offen über eigene Fehler zu sprechen. Außerdem ist es nach einem ernst gemeinten Lob immer einfacher eine unschöne Sache zu hören, als direkt mit der Tür ins Haus zu fallen.

Ein Fehler sollte immer so dargestellt werden, dass er leicht zu korrigieren ist. Das Ansprechen ist keine Sackgasse. Viel mehr ist es der Startpunkt für eine Weiterentwicklung. Fehler können jedem passieren und gehören zur Entwicklung dazu. Deswegen ermutige zur Korrektur und zeige dich zuversichtlich, dass es besser wird.

Inspirierende Zitate aus dem Buch

In diesem Abschnitt möchte ich dir inspirierende Zitate aus dem Buch vorstellen, welche mir besonders im Kopf geblieben sind und wie ich sie interpretiere.

“If you argue and rankle and contradict, you may achieve a victory sometimes; but it will be an empty victory because you will never get your opponent’s good will.”

Meine Interpretation: Versuche nicht andere Menschen gegen ihren Willen von etwas zu überzeugen. Der Kampf ist die Energie und Mühe nicht wert. Denn selbst wenn du es irgendwie unter großer Anstrengung schaffst, wird dein Gesprächspartner mit keinem guten Gefühl aus der Verhandlung gehen. Dein momentaner Sieg ist kurzweilig und nicht nachhaltig, denn du hast sein Wohlwollen für zukünftige Gespräche verloren. Ein Sieg kostet die Beziehung.

„Give a dog a bad name and you may as well hang him. But if you give him a good name, see what happens.“

Meine Interpretation: Dieses Zitat sehe ich als Ratschlag für eine Führungskraft. Das kann ein Chef, ein Trainer im Verein oder Elternteil sein. Dein Führungserfolg wird durch deine Einstellung bestimmt. Gibst du deinen Schützlingen das Gefühl nicht gut genug zu sein, werden sie nicht über sich hinauswachsen. Stattdessen schreibe ihnen im Voraus die erstrebten Eigenschaften / Fähigkeiten bereits zu. So gibst du ihnen ein Ideal, welches sie nun mit Leben erfüllen wollen.

Möchtest du meiner Interpretation etwas hinzufügen oder siehst du das Zitat aus einem ganz anderen Blickwinkel, dann schreib mir in den Kommentaren. Ich freue mich auf neue Anregungen und Diskussionen.

Was du direkt umsetzen kannst

Sprich Menschen mit ihrem (Vor-)Namen an. Es ist eine ganz einfache Sache, aber extrem machtvoll. Sie zeigt Wertschätzung und erzeugt ein Gefühl der Wichtigkeit. Gib dir Mühe beim Zuhören und wiederhole den Namen immer wieder in deinem Kopf bis du ihn aufschreiben kannst. Hast du den Namen nicht richtig verstanden oder ist der Name außergewöhnlich, dann lass ihn dir buchstabieren. Verbinde ihn direkt mit dem Gesicht der Person. So brennt er sich noch besser in deinem Gedächtnis ein. Möchtest du noch einen Schritt weitergehen, dann merke dir weitere Fakten wie Geburtstage, Namen der Kinder, Interessen, etc.

Sag niemals „das ist falsch“ zu der Meinung einer anderen Person. In dessen Welt ist genau diese Meinung richtig und plausibel. Eine solche Aussage gleicht einem direktem Angriff auf das Ego oder wie Carnegie sagt „Feeling of Importance“. Argumentiere stattdessen aus der Ich-Perspektive und schwäche deine Aussage ab. So könntest du beispielsweise sagen: „Ich habe folgendes verstanden, könnte aber falsch liegen. Lass uns nochmal über die Fakten reden.“

Was erwartet dich noch?

Leider konnte ich nicht alle meine Notizen in die Zusammenfassung aufnehmen, denn es gibt noch sehr viel interessante Denkanstöße zu entdecken. Unter anderem werden folgende Punkte noch ausführlich behandelt:

  • warum Streit niemals eine Lösung ist und
  • was du machen kannst, wenn es scheinbar keinen Ausweg aus einem Streit gibt
  • wie du ein guter Anführer wirst und was die größte Gabe eines solchen ist
  • wie man Menschen selbst bei gegensätzlicher Meinung überzeugt
  • und viele viele weitere Zitate von berühmten Persönlichkeiten

Mein Fazit

Ein absoluter Klassiker. Obwohl etwas in die Jahre gekommen, aktueller und wichtiger als je zuvor. Egal ob im Privat- oder im Berufsleben – soziale Interaktionen sind immens wichtig. Wer verstehen will wie Menschen ticken (inklusive man selbst) ist hier genau richtig. Mit sehr übersichtlicher Struktur, tollen Beispielen und einfacher Umsetzbarkeit. Somit zählt dieses Buch zu den Pflichtlektüren (must-reads) aus dem Bereich Selbstmanagement und Kommunikation.

Hat dich das Buch auch gepackt? Willst du noch mehr über das menschliche Verhalten erfahren? Bist du auf der Suche nach einfachen Regeln, um zwischenmenschliche Kommunikation zu verbessern? Dann zahlt sich die kleine Investition in dieses Buch in vielerlei Hinsicht aus.

Wie man Freunde gewinnt: Die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden*

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.