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Investieren in P2P Kredite: Vorstellung der Plattformen

Im zweiten Teil der Reihe “Investieren in P2P Kredite” werde ich näher auf einzelne ausgewählte P2P Plattformen eingehen, welche Vor- und Nachteile sie besitzen und dir ein Fazit geben.

Allgemeine Informationen

Willkommen im zweiten Teil des P2P-Checks. Ich stelle dir hier ausgewählte P2P-Plattformen vor und was du über jede Plattform wissen solltest (bevor du investierst).  Mir ist dabei wichtig, dass du weißt, dass ich dir hier nur Plattformen empfehle, welche ich selbst getestet habe und benutze. Hier bekommst du also keine vollständige Liste aller P2P-Anbieter, sondern meine subjektive Auswahl.

P2P Lending sollte als eine Ergänzung zum renditenstarken Teil deines Portfolios angesehen werden. Diese Anlageklasse ist also als risikoreich einzustufen. Seit dem Boom dieser Anlageklasse sprießen neue Anbieter wie Pilze aus dem Boden. Jeder will etwas vom Kuchen abhaben. Das Geschäft läuft sehr gut: die Leute haben Geld und wissen in dieser Niedrigzinsphase nicht wohin damit. Da kommt eine renditestarke Anlageklasse gerade recht. Bis jetzt läuft auch alles gut, keine Krise in Sicht. Was passiert, wenn es in der Welt wirtschaftlich nach unten geht, kann man leider im Fall von P2P-Krediten noch nicht sagen. Die Zeit wird es zeigen …

Generell ist das Eröffnen der entsprechenden Konten der verschiedenen Plattformen sehr unkompliziert und einfach. Man benötigt meistens nur einen Personalausweis und eine E-Mail-Adresse. Die Registrierung ist schnell und nach der ersten Überweisung z.B. per SEPA kann bereits investiert werden.  Alle Plattformen bieten einen sogenannten Auto Invest, also eine Möglichkeit, sein Geld automatisch in Kredite investieren zu lassen. Somit kann P2P Lending als passive Geldanlage genutzt werden.

Plattformen in der Analyse

Welche Punkte gilt es nun zu beachten bei den einzelnen Plattformen? Da gibt es viele, welche beachtet werden sollte. Ich habe mir während meiner Analyse hauptsächlich folgende Fragen gestellt und anhand derer die Anbieter ausgesucht (Reihenfolge stellt keine Prioritäten dar):

  • Wie hoch ist die zu erwartende Rendite?

Selbsterklärend. Natürlich eine wichtige Frage. Ist die Rendite zu gering, lohnt sich das Risiko nicht. Außerdem stellt sich die Frage, ob man die Zinsen täglich oder nur monatlich erhält.

  • Welche Kosten entstehen?

Natürlich eine wichtige Frage. Was kostet mich die Investition? Im besten Fall natürlich keine.

  • Wie hoch ist Mindestanlage?

Auf all diese Punkte werde ich bei jeder einzelnen Plattform eingehen. Je geringer die Mindestanlage ist, desto weniger Geld benötige ich, um eine gute Diversifikation über viele Kredite zu bekommen.

  • Wieviel Kredite stehen zur Auswahl?

Je mehr Kredite zur Auswahl stehen, desto schneller kannst du dein Geld investieren und reinvestieren. Gibt es keine Kredite, kann sich dein Geld nicht vermehren.

  • Wie sind die Laufzeiten der Kredite?

Wie lange ist mein Geld denn pro Kredit gebunden? Vor Ablauf des Kredites kommt man nicht mehr an das Geld ran. Wichtige Ausnahme: es gibt einen Sekundärmarkt. Hier kannst du deine Kredite früher verkaufen.

  • Gibt es einen Sekundärmarkt?

Anders als beim sogenannten Primärmarkt, wo Kredite an Erstinvestoren vermittelt werden, können Investoren auf dem Sekundärmarkt “ihre” Kredite an andere Investoren verkaufen. Bietet somit die Möglichkeit früher sein Geld wiederzubekommen oder aktiv Handel zu betreiben.

  • In welche Länder kann ich investieren?

Aus Gründen der Diversifikation möchte man natürlich in so vielen Ländern wie möglich investieren. Bietet eine Plattform nur eine kleine Auswahl, sucht man sich eine weitere Plattform mit anderen Ländern.

  • Gibt es Rückkaufgarantien?

Einige Plattformen bieten Rückkaufgarantien an. Diese Garantie springt ein, wenn ein Kredit mal ausfällt. Allerdings muss gesagt werden, dass diese Garantie keine 100%ige Sicherheit bietet. Falls der Garantiegeber Zahlungsprobleme hat, hilft die beste Garantie nicht mehr. Außerdem kosten Garantien Rendite. Ein Kredit mit Garantie wird also per se weniger Rendite abwerfen, als ein gleichwertiger Kredit ohne Sicherheit.

  • Wie ist das mit den Steuern?

Wird häufig vergessen (zumindest bis die Steuererklärung ansteht). Alle ausländischen Plattformen führen keine Steuern ab, deswegen musst du als Investor deine Einnahmen selber in deiner Steuererklärung aufführen. Dies ist aber ohne Probleme möglich. Alle Plattformen bieten Steuerreports an.

Auxmoney

Auxmoney ist der einzige deutsche Anbieter, den ich getestet habe. Ich war zunächst skeptisch mein Geld zu einer ausländischen Plattform zu transferieren. So habe ich mit Auxmoney meine ersten Erfahrungen in P2P Lending gemacht. Auxmoney ist seit 2007 am Markt, hat bereits über 316 Millionen Euro (Stand 2017) an Krediten vergeben und ist damit die größte deutsche Plattform. Der Normalzins der angebotenen Kredite beträgt durchschnittlich 9,65%, wobei am Ende nur ca. 5% Rendite beim Investor ankommen (Kosten und eventuelle Ausfälle mit einberechnet). Die Kreditnehmer werden durch Auxmoney (oder einen Partner) bewertet von AA (hohe Kreditwürdigkeit) bis X (geringe Kreditwürdigkeit). Diese Bewertung bestimmt anschließend den Zinssatz. Die Kreditnehmer sind ausschließlich Deutsche.

Bei Auxmoney ist eine Mindestanlage von 25 Euro pro Kredit möglich, welche im Vergleich zu anderen Anbietern sehr hoch ist. Dies bedeutet, dass man sehr viel Geld investieren muss, um eine gute Diversifikation über alle Kredite zu erhalten. Wenn wir sagen, dass wir in 100 Krediten investieren wollen, damit der Ausfall eines Kredites nur 1% Verlust bedeutet, so müssen wir schon 2500 Euro bei Auxmoney hinterlegen. Finde ich persönlich sehr viel. Da ist leider noch nicht einberechnet, dass Auxmoney 1% der Anlagesumme als Gebühren einbehält. Dementsprechend kostet dich jeder Einsatz also 25 Cent, welche du erstmal mit Zinsen wieder reinholen musst.

Was mir sehr gut an Auxmoney gefällt, ist der schöne Aufbau der Seite und die einfache Bedienung. Alles ist sehr übersichtlich gestaltet und der Autoinvestor ist unkompliziert zu bedienen. Zusätzlich bekommt man recht viel Informationen über die Kreditnehmer (z.B. wie sie das Geld verwenden möchten). So kann man sich entscheiden, ob man einen Konsumkredit finanzieren möchte, oder doch lieber eine Umschulung. Natürlich gibt es keine Gewähr, ob diese Angaben korrekt sind. Außerdem gilt bei Auxmoney, wie auch bei den Krediten selbst, das deutsche Recht und dementsprechend auch die deutsche Rechtsprechung.

Aufgrund der niedrigen Rendite, der hohen Mindestanlage und das Fehlen eines Sekundärmarktes ziehe ich mein Geld von Auxmoney ab. Leider dauert das bei den langen Laufzeiten von 12 – 60 Monaten.

Vorteile:

  • lange am Markt (seit 2007)
  • deutsche Plattform/deutsches Recht
  • ausreichende Kreditauswahl
  • Steuern werden automatisch abgeführt

Nachteile:

  • hohe Mindestanlage von 25 Euro
  • kein Sekundärmarkt
  • keine Rückkaufgarantien
  • Kosten von 1% pro Investition
  • magere Rendite von ca. 5%
  • Kredite nur aus Deutschland

Bondora

Bondora ist eine Plattform aus Estland, welche schon seit 2009 am Markt ist und bereits Kredite in einem Volumen von 163 Millionen Euro vergeben hat. Sie gehört zu den Plattformen, welche keine Rückkaufgarantien bieten. Dafür bietet Bondora Kredite mit einem durchschnittlichen Zinssatz von ca. 33% (Stand: 29.11.2018) an. Bondora hat sich also auf die risikofreudigen Anleger spezialisiert. Anleger konnten damit eine durchschnittliche Rendite von 10,7% erwirtschaften (auch hier sind Verluste berücksichtigt).

Die Kreditnehmer stammen aus Estland (ca. 60%), Finnland (ca. 27%) und Spanien (ca .12%). Ihre Kreditwürdigkeit von AA (sehr gut) bis HR (sehr schlecht) wird durch Bondora bewertet. Es gibt eine riesige Auswahl von Darlehen und man kann bereits ab einem Euro investieren. Beste Voraussetzungen für eine gute Diversifikation mit wenig Geld. Die Darlehenslaufzeit beträgt durchschnittlich 47 Monate. Allerdings bietet Bondara einen sehr guten Sekundärmarkt, der für Schnäppchen-Käufe oder -Verkäufe genutzt werden kann (wenn dir z.B. die Laufzeit zu lang ist).

Dennoch gibt es auch ein paar Negativpunkte. Ich finde die Zinsen, welche die Kreditnehmer zahlen müssen, sehr hoch. Dies führt sehr häufig zu Zahlungsverzögerungen und sogar Ausfällen. Das heißt natürlich nicht, dass das Geld weg ist. Aber das kann die Zeit, bis man sein Geld wiedersieht, natürlich verlängern. Wer ein ungutes Gefühl bekommt, wenn ein Kredit überfällig ist, der sollte nicht bei Bondora investieren. Das muss man aushalten können!

Bondora bietet noch eine Besonderheit: Bondora Go & Grow. Anders als beim “normalen” Investieren in P2P Kredite mit unterschiedlichen Zinsen, bekommst du hier von Bondora eine feste Rendite von 6,75% versprochen. Dafür investiert Bondora dein Geld im Hintergrund breit diversifiziert in P2P Kredite unterschiedlichster Risikoeinstufungen (genaue Angaben können hier nachgelesen werden).  Für dich hat es den Vorteil, dass es dir (fast) egal sein kann, ob die betreffenden Kredite ausfallen. Du bekommst immer deine 6,75%. Aber diese bekommst du auch nur, wenn Bondora mit deinem Geld mehr erwirtschaftet. Darüber hinaus soll dein Geld jederzeit verfügbar sein, für einen Euro Kosten pro Abhebung. Außerdem sagt Bondora, dass du erst Steuern abführen musst, sobald du das Geld vom Go &  Grow Konto abhebst und auf dein Girokonto überträgst.

Ich finde, das ist ein guter Deal! Ob das ganze sicher bzw. sicherer als das “normale” Investieren in P2P Kredite ist, ist schwer zu sagen. Solange Bondora selbst keine finanziellen Probleme bekommen, sollte es sicher sein. Dennoch kann es schnell zu finanziellen Engpässen kommen, wenn zu viele Kredite ausfallen oder alle Go & Grow Anleger zum gleichen Zeitpunkt ihr Geld haben wollen. Insgesamt eine schöne Sache, aber trotz der sehr guten Rendite, gerade unter dem Gesichtspunkt Sicherheit, keine echte Alternative zum Festgeld.

Mit der sehr hohen Rendite, der hohen Kreditauswahl und der sehr niedrigen Mindestanlage gehört Bondora zu meinen Favoriten. Außerdem bietet Bondora Go & Grow nochmal einen neuen frischen Ansatz um tagesgeldähnlich Vermögen aufzubauen.

Vorteile:

  • sehr hohe Renditen (~10,7%)
  • hohe Kreditauswahl
  • Bondora Go & Grow
  • guter Sekundärmarkt
  • sehr niedrige Mindestanlage (1 Euro)
  • keine Kosten
  • Kredite aus drei Ländern (Estland, Spanien und Finnland)

Nachteile:

  • keine Rückkaufgarantien
  • Kredite häufig überfällig
  • Steuern müssen selbst abgeführt werden

Mintos

Mintos ist eine Plattform aus Lettland, welche (erst) 2015 gegründet wurde. Seit Start wurden schon Kredite im Umfang von 1,34 Millionen Euro (Stand: 28.11.18) vergeben. Die Kredite mit und ohne Rückkaufgarantie stammen aus 28 Ländern und in 12 Währungen (hauptsächlich aber Euro). Die Mindestgeldanlage ist mit 10 Euro ausreichend niedrig und die Laufzeit der Darlehen liegt zwischen 1 und 72 Monaten. Anleger konnten bei Mintos eine durchschnittliche jährliche Nettorendite von 11,6% generieren.

Das besondere an Mintos sind die sogenannten Darlehensanbahner (insgesamt ca. 56). Mintos selbst vergibt keine Kredite, sondern nutzt dafür Finanzdienstleister (aber keine Banken), die Darlehensanbahner. Sie haben die Kredite bereits vorfinanziert und bieten diese auf Mintos dir als Privatperson an. Genau diese Darlehensanbahner geben dir die Rückkaufgarantie, falls der Kredit ausfällt. Außerdem betreuen sie, falls nötig, das Inkassoverfahren. Im Gegenzug können sie mit deinem Einsatz ihr Kapital zurückerhalten und damit erneut einen Kredit vergeben. Damit nicht das komplette Ausfallrisiko vom Darlehensanbahner auf den P2P Investor übertragen wird, müssen die Darlehensanbahner mindestens mit 5%, meistens 10%, im Kredit investiert bleiben.

Seit kurzer Zeit bietet Mintos auch eine Bewertung der Kreditwürdigkeit der Kreditnehmer an (die Prüfung erfolgt aber wohl durch die Darlehensanbahner). Diese geht von A+ (sehr gut) bis D (schlecht). Wie auch Bondora bietet Mintos einen umfangreichen Sekundärmarkt an, welcher für Käufe oder Verkäufe genutzt werden kann. Die gesamte Seite, inklusive der Auto Invest-Funktion, ist sehr übersichtlich aufgebaut und leicht zu verstehen. Außerdem bietet Mintos immer mal wieder Sonderaktionen an, welche dir z.B. eine Art Cashback liefern.

Insgesamt gefällt mir Mintos von allen Plattformen am besten. Die Rendite ist sehr gut und die Auswahl der Kredite groß. Ich habe mich allerdings ausschließlich auf Kredite in Euro mit Rückkaufgarantie fokussiert.

Vorteile:

  • sehr hohe Renditen (11,6%)
  • Kredite mit und ohne Rückkaufgarantien
  • hohe Kreditauswahl
  • guter Sekundärmarkt
  • niedrige Mindestanlage (10 Euro)
  • keine Kosten
  • Kredite aus 28 Ländern und in 12 Währungen

Nachteile:

  • relativ junge Plattform (2015)
  • Steuern müssen selbst abgeführt werden

Meine Empfehlung

Wer auf dem deutschen Markt mit P2P Lending anfangen möchte, sollte sich an Auxmoney wenden, um erste Erfahrungen zu sammeln. Es sollten allerdings mindestens 2500 Euro investiert werden, damit das Einzelrisiko nicht zu hoch ist. Die Rendite ist ok, aber nicht überragend. Möchtest du gute Rendite mit Rückkaufgarantie, dann empfehle ich dir Mintos*. Möchte du dein Geld weiter diversifizieren, dann meld dich bei Bondora* an. Durch die niedrigste Mindestanlage kannst du sehr gut über viele Kredite diversifizieren. Ausführlichere Informationen zum Thema Diversifikation findest du in diesem Artikel.


Anmerkung: Dieser Beitrag ist nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben und dient ausschließlich zur Aufklärung. Er stellt keine Anlageberatung dar. Erzielte Renditen geben keine Auskunft über zukünftige Renditen. Für die Richtigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen.

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