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Glaubenssätze: Wahrheit vs. Wahrnehmung (Teil 1)

Unsere Glaubenssätze (englisch: beliefs) beeinflussen uns jeden Tag, und zwar unbewusst. Häufig limitieren sie unsere persönliche Weiterentwicklung. Im ersten Teil geht es um die Definition und die Folgen von Glaubenssätzen.

Was ist ein Glaubenssatz?

Ein Glaubenssatz ist ein Gedanke, eine Überzeugung oder eine Meinung, welche sich fest in unser Unterbewusstsein verankert hat. Die meisten Glaubenssätze sind uns nicht bewusst und doch kommen sie wieder und wieder. Sie sind dafür verantwortlich, wie wir eine Situation wahrnehmen und bewerten und dementsprechend auch wie wir auf sie reagieren. Gerade in Situationen, wenn etwas Unerwartetes geschieht, kommen Glaubenssätze zu Tage.

Wichtig ist hier, dass wir nicht auf die Wirklichkeit reagieren, sondern auf die “Wirklichkeit”, die wir wahrnehmen. Anders ausgedrückt: Glaubenssätze haben einen großen Einfluss auf unsere Wahrnehmung. Sie wirken als Filter und lassen uns nur das sehen, was zum Glaubenssatz passt. Dies führt dazu, dass unsere Reaktionen über andere Personen sehr häufig nicht nachvollziehbar sind, da sie die identische Situation komplett anders wahrnehmen.

Der amerikanische Bestsellerautor und Coach Tony Robbins sagt:

Glaube an deine Grenzen und sie gehören dir.

Was der Mensch glaubt, das kann er auch erreichen.

Diese beiden Zitate zeigen sehr schön die zwei Seiten von Glaubenssätzen. Das erste Zitat beschreibt, wie wir uns durch limitierende Glaubenssätze stark einschränken und uns unnötig fiktive Grenzen setzen. Denn wer sich die Grenzen selber setzt, glaub an sie und lässt sie so zur Wirklichkeit werden. Das zweite Zitat sagt aus, dass wir durch die richtige Überzeugung unsere Grenzen überwinden und unsere Ziele erreichen können. Der Glaube kann nicht nur Grenzen setzen, sondern auch Berge versetzen.

Woher kommen Glaubenssätze?

Der Keim eines Glaubenssatzes wird bereits in deiner Kindheit von deinen Eltern gepflanzt. Wie wir wissen hat die Erziehung einen großen Einfluss auf das Bewusstsein und Unterbewusstsein des Kindes. Im späteren Leben werden Glaubenssätze aus dem näheren Umfeld, also von weiteren Verwandten, Lehrern, Freunden usw., übernommen. Sind wir erstmal erwachsen, kommen die Medien noch dazu. Wie Medien uns beeinflussen, habe ich bereits in dem Artikel zum Thema Nachrichten-Diät beschrieben.

Wir tragen Glaubenssätze also schon eine ganze Weile mit uns herum und damit wurden sie ein Teil unserer Persönlichkeit. Zunächst haben wir diese Gedanken noch bewusst wahrgenommen, aber mit der Zeit gehen sie in das Unterbewusstsein über. Nun sind sie zu unserer Wahrheit geworden. Die Wahrheit, welche immer stimmen muss und nicht hinterfragt wird. Dies macht es sehr schwer alte Glaubenssätze zu brechen.

Die Glaubenssätze-Kategorien

Generell sind Glaubenssätze Verallgemeinerungen bzw. Generalisierungen, welche es uns erlauben bestimmte Umstände, auch komplexe und unbekannte Situationen, blitzschnell einzuordnen. Glaubenssätze können nach Robert Dilts in drei Kategorien unterteilt werden, welche ich im folgenden näher beschreiben werden.

1. Die Ursachen-Suche

Kategorie Nummer Eins: alles muss eine Ursache haben! Unser Gehirn sucht zu jeder Zeit nach plausiblen Zusammenhängen und gleicht dabei das Wahrgenommene mit unseren Erfahrungen ab. Gerade wenn es sich um etwas Unbekanntes handelt oder wir nur unzureichend Informationen besitzen, dichtet unser Gehirn den Umständen eine Ursache an, welche natürlich nicht richtig sein muss. Hier entstehen Glaubenssätze, welche für dich wahr sind, aber nicht unbedingt für andere Menschen.

Beispiele:

  • Es ist kalt, deswegen werde ich krank
  • Ich bin überarbeitet, weil ich meinen Job nicht gut kann
  • Ich bin traurig, weil du mich nicht beachtest
  • Ohne Abitur kann ich nicht viel Geld verdienen

2. Alles muss eine Bedeutung haben

Kategorie Nummer Zwei: nichts passiert ohne Grund, alles hat eine Bedeutung! Die Bedeutung wird aber erst durch deine Interpretation bestimmt. “Schuld” sind niemals die Umstände, sondern die Art und Weise wie du mit ihnen umgehst. Du hast die Wahl, welche Bedeutung du der Tatsache gibst. In diesen Glaubenssätzen wird eine Ursache-Wirkungs-Beziehung unterstellt, die nicht aber stimmen muss.

Beispiele:

  • Mein Chef grüßt mich nicht, er mag mich also nicht
  • Du lügst, weil du mir nicht in die Augen schaust
  • Das kostet nicht viel, das kann nicht gut sein
  • Das haben wir schon immer so gemacht, das muss richtig sein

3. Das ist meine Identität

Kategorie Nummer Drei: so verhalte ich mich, das ist meine Identität. Diese limitierenden Glaubenssätze halten dich davon ab, dich zu verändern und weiterzuentwickeln. Änderst du die Glaubenssätze bezüglicher deiner Identität, kannst du die Person werden, die du sein möchtest.

Beispiele:

  • So bin ich nun mal, da kann ich nichts für
  • Das passiert immer nur mir
  • Ich bin nicht gut genug
  • Andere meinen es schlecht mit mir

Die Folgen von Glaubenssätzen

Alles was in deinem Kopf rumschwirrt und immer wieder kommt, wird irgendwann zu deiner Realität und entsprechend dieser verhältst du dich anschließend. Glaubst du fest an diese Realität ist es sehr schwierig diese wieder loszulassen. Selbst wenn du Informationen erhältst, welche deiner Realität komplett widersprechen. Diese Informationen werden einfach ignoriert oder ausgeblendet (selektive Wahrnehmung), um dein Weltbild aufrechtzuerhalten.

Ein prominentes Beispiel ist die Geschichte von dem Mann, der denkt er sei eine Leiche. Er wird zu einem Psychiater gebracht, um ihn zu überzeugen, dass er lebt. Der Psychiater versuchte alle möglichen Tricks, doch nichts hilft. Sie diskutieren stundenlang, aber kein Wort dringt zu dem Mann durch. Er hält eisern an seiner Überzeugung fest. Dann hat der Psychiater einen besonderen Einfall. Er fragt den Mann ob Leichen denn bluten können. Der Mann verneint, denn bei einer Leiche pumpt das Herz nicht mehr. Der Psychiater sticht den Mann mit einer Nadel in den Finger und fragt selbstsicher: “Warum bluten Sie dann?” Der Mann sieht das Blut, ist kurz verwirrt und antwortet schließlich: ” Oh, da habe ich mich doch geirrt. Eine Leiche kann doch bluten.”

Glaubenssätze haben nicht nur einen Einfluss auf deine Psyche, sondern auch auf deinen Körper. Ich möchte nicht zu tief auf psychosomatische Zusammenhänge eingehen, aber als Beispiel möchte ich den Placebo-Effekt heranziehen. Hierbei führt ein Medikament, welches eigentlich aufgrund seiner Zusammensetzung wirkungslos sein sollte, dennoch zu einer messbaren Wirkung, wenn die Testperson sehr stark von der Wirkung überzeugt ist.

Kennst du das Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiung? Wenn man wirklich an etwas glaubt, dann tut man unbewusst alles, damit es eintrifft. Eine positive Rückkopplung zwischen Erwartung und Verhalten. Bestimmt hat jeder von euch einen Bekannten/eine Bekannte, die behaupten, dass sie immer Pech haben oder es immer sie trifft, statt Andere. Durch das Verhalten widerfährt ihm oder ihr immer das gleiche. Die Schuld oder Verantwortung tragen die Anderen, denn ich selbst kann schließlich nichts dafür, dass ich immer Pech habe. Auch das ist ein Glaubenssatz, der dich sehr stark limitiert und es gibt ihn in sehr vielen Facetten.

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