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Diversifikation: das Zauberwort zur Risikoreduktion

Wer sich mit persönlichen Finanzen beschäftigt, kommt um diesen Begriff nicht herum. Durch Diversifikation kann man die Risiken des Vermögensaufbau deutlich reduzieren.

Was ist Diversifikation?

Diversifikation, oder auch Diversifizierung, ist ein Begriff aus der Finanzwirtschaft und beschreibt eine Maßnahme zur Erhöhung der Wahlmöglichkeiten. Ziel dabei ist es, entweder die Chancen damit zu erhöhen, oder Risiken zu minimieren. Ich möchte mich ab hier nur auf die Minimierung von Risiken beschränken.

Diversifikation wird häufig im Zusammenhang mit Finanzen oder Geldanlagen verwendet, kann aber auch auf andere Bereiche im (Privat-)Leben angewendet werden (Dazu wird noch ein Artikel folgen). Häufig werden auch Begriffe wie Streuung oder Aufteilung als Synonyme von Diversifikation verwendet.

Diversifikation bei deinen Finanzen

Bei der Geldanalage verfolgst du das Ziel langfristig Vermögen aufzubauen und nicht einen schnellen Gewinn einzufahren. Deswegen solltest du dein Geld streuen. Eine alte Börsenweisheit besagt:

There Ain’t No Such Thing as a Free Lunch

Diese Weisheit soll uns sagen, dass es nichts umsonst gibt. Soll dein Geld für dich arbeiten, dann musst du mit dem Risiko leben, dass du auch Geld verlieren kannst. Dabei gilt häufig: je riskanter eine Geldanlage ist, desto höher ist auch die potenzielle Rendite. Der Hintergrund ist ganz einfach. Wenn du als Investor dein Geld verleihst bzw. in zum Beispiel ein Unternehmen investierst, dann gehst du damit ein Risiko ein. Nämlich das Risiko Geld zu verlieren, wenn dein Kapitalnehmer damit schlecht wirtschaftet. Je höher das Risiko ist, desto höher ist die von dir verlangte Gegenleistung natürlich. Das genau ist der Zins oder die Rendite, eine Risikoentschädigung für dich.

Du würdest natürlich nicht dein ganzes Geld an einen oder zwei Kapitalnehmer geben, oder? Das Risiko totalen Schiffbruch zu erleiden ist einfach viel zu groß. Auch dafür gibt es eine Börsenweisheit:

Don’t Put All your Eggs in One Basket

Lege nicht alle Eier in einen Korb. Fällt er dir herunter, sind alle Eier kaputt. Sehr anschaulich. Daraus sollen wir lernen, nicht alles auf eine Karte zu setzen, also unser Geld nicht in eine einzige Position zu “stecken”.  Stattdessen sollen wir unser Geld diversifizieren. Dieses Diversifizieren solltest du über mehrere Ebenen durchführen, welche ich dir im Folgenden erläutern werden.

1. Ebene: Risikoversicherungen

Es gibt gewisse Ereignisse im Leben, welche dein Leben grundlegend verändern können – und zwar ins Negative. Vor dem Eintreten dieser Ereignisse kann man sich meist nicht komplett schützen, aber du kannst dafür sorgen, dass die finanziellen Folgen für dich nicht gravierend sind. Hier helfen Risikoversicherungen.

Risikoversicherungen sind generell sinnvoll, um diejenigen Risiken zu reduzieren, welche deine Existenz bedrohen. Gemeint sind damit Versicherungen, welche dich beim Eintreten des betreffenden Ereignisses finanziell vor dem Bankrott schützen. Welche Versicherungen das sind und welche nicht, erfährst du in dem Artikel Richtig versichert – welche Versicherungen sind sinnvoll?

2. Ebene: dein Vermögen

Investiere nie dein komplettes Vermögen, egal wie groß es ist. Jeder benötigt einen gewissen Anteil, um seine laufenden Kosten zu begleichen und eine Notfall-Reserve, um Geld für Unvorhersehbares zu besitzen. Mehr dazu kannst du in meinem Artikel 6 einfache Schritte für deine finanzielle Zukunft lesen. Du möchtest ja langfristig investieren und daher auch nur das Geld, welches du kurz- und mittelfristig nicht benötigst, einsetzen. Nichts kostet dich mehr Rendite als Geld aus Investments abzuziehen, weil du es unmittelbar benötigst.

3. Ebene: die Anlageklassen

Jetzt geht es ans Investieren. Du musst dir überlegen in welche Anlageklassen du investieren möchtest. Bekannte Anlageklassen sind Lebensversicherungen, Aktien, Fonds/ETFs, Rohstoffe, Rentenpapiere, Tagesgeld, Festgeld oder Immobilien. Es gibt aber auch exotischere Anlagenklassen wie P2P-Kredite, Crowdinvesting, Wein oder Luxusuhren.

Bei der Auswahl gilt es zu beachten, dass jede Anlageklasse sich in den Punkten Rentabilität (Rendite oder Zinsen), Sicherheit (oder pessimistisch formuliert: Volatilität) und Liquidität (Verfügbarkeit) unterscheidet. Das Zusammenspiel dieser drei Punkte wird im sogenannten Magischen Dreieck der Vermögensanlage dargestellt.

Die Wunschgeldanlage generiert hohe Renditen, bei hoher Sicherheit und hoher Liquidität. Leider gibt es diese Geldanlage nicht, denn diese drei Punkte stehen in Konkurrenz zu einander. Verspricht eine Anlageklasse hohe Sicherheit und hohe Liquidität, so wird sie keine hohe Rendite abwerfen. Andersrum bedeutet hohe Rentabilität und hohe Sicherheit eine geringe Liquidität. Zu guter Letzt, ist eine sehr rentable und liquide Geldanlage nicht sehr sicher. Eine grobe Einordnung der oben erwähnten Anlageklassen findest du in der folgenden Abbildung:

Magisches-Dreieck-der-Geldanlage

Magisches Dreieck der Geldanlage.

 

Bitte beachte, dass dies nur eine einfache Einteilung ist und dir eine grobe Orientierung geben soll. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wurden nicht alle Anlageklassen eingetragen.

4. Ebene: die Vermögensallokation

Bei der Vermögensallokation (englisch asset allocation) geht es um die Zusammensetzung deiner Anlagenklassen, also deines Portfolios. Hier bestimmst du, wieviel Geld in welche Klasse fließt. Dabei solltest du die jeweiligen Risiken, Liquidität und Sicherheiten einbeziehen. Das Ziel ist es, durch die Zusammenstellung unterschiedlicher Anlageklassen eine attraktive Rendite bei reduziertem Risiko zu erhalten.

Die moderne Portfolio-Theorie stammt vom Nobelpreisträger Harry Markowitz und gibt Handlungsanweisungen, welche Kombinationen von Anlagen zusammenpassen. Markowitz konnte zeigen, dass sich Diversifikation positiv auf das Rendite- und Risikoprofil eines Portfolios auswirken. Einfach zusammengefasst kann man sagen, dass jede Anlagenklassen andere Risiken trägt und somit eine Mischung das Risiko des gesamten Portfolios senkt. Hier greift Markowitz das Zitat von oben auf und sagt folgendes:

Diversification is the only free lunch in investing.

5. Ebene: Streuung innerhalb einer Anlageklasse

Hast du eine Vermögensallokation festgelegt, dann steht die Diversifizierung innerhalb jeder Anlageklasse an. Ich nenne es Mikrodiversifikation. Generell besitzt jede Geldanlage ein allgemeines Marktrisiko und ein individuelles Risiko. Das Marktrisiko wird, wie der Name schon sagt, durch den Markt bestimmt. Läuft die Konjunktur gut, dann geht es an den Börsen tendenziell nach oben. Hakt es aber mal, durch z.B. Handelskriege, so können sich die Vorzeichen schnell drehen und die Börsen fallen. Das ist das Marktrisiko von Aktien und dieses können wir durch Mikrodiversifikation leider nicht verringern.

Das individuelle Risiko einer Aktie ist stark abhängig vom Unternehmen selbst. In welchem Land sitzt es, in welcher Branche wird agiert, in welchem Währungsraum, wer sind die Kunden? All das sind Risiken, die wir nicht beeinflussen können. Aber wir können Aktien unterschiedlicher Unternehmen kaufen, welche sich in diesen Risiken unterscheiden. So kannst das individuelle Risiko deutlich reduziert werden.

Für diesen Fall gibt es bereits eine einfache, kostengünstige und zeitsparende Methode – das passive Investieren mittels ETFs. Dabei eignen sich ETFs nicht nur für die Diversifizierung bei Aktien, sondern auch bei Rentenpapieren, Unternehmensanleihen oder Rohstoffe.

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